Immer wieder wird zum Thema Urheberrecht und Leistungsschutzrecht diskutiert. Letzteres hat mit ersterem eigentlich nicht so viel zu tun. Das Leistungsschutzrecht hat mit dem Urheberrecht eigentlich nur soviel zu tun, dass Wirtschaftsunternehmen sich das Recht schützen lassen wollen, mit urheberrechtlich geschützten und kommerziell verwertbaren Werken Geld zu verdienen. Das wäre ja auch absolut in Ordnung, wenn dabei die eigentlichen Urheber auch angemessen beteiligt werden. Das aber steht bei den Verfechtern des Leistungsschutzrechtes eher unter ferner liefen. Das Leistungsschutzrecht wird auch gerne als Regelung verkauft, die Urhebern eine faire Bezahlung bietet. Aber das ist Unsinn.
Weg mit dem Urheberrecht und bitte alles umsonst
Dann gibt es aber auch die Kräfte, die – fasst man es zugespitzt zusammen – im Internet einfach alles umsonst haben wollen und dazu auch das Recht, mit diesen kostenlosen Inhalten in gewisser Weise machen zu dürfen, was sie wollen. Die Piratenpartei fordert in ihrem Parteiprogramm unter anderem:
- Keine Beschränkung der Kopierbarkeit
- Freies Kopieren und freie Nutzung
- Förderung der Kultur
- Ausgleich zwischen Ansprüchen der Urheber und der Öffentlichkeit
Auch wenn in den Erläuterungen steht “Wir erkennen die Persönlichkeitsrechte der Urheber an ihrem Werk in vollem Umfang an” so wird beim Durchlesen der dortigen Aussagen eines klar. Das Urheberrecht soll im Prinzip ad absurdum geführt werden. Alles was im Internet zu finden ist, soll ohne “Beschränkung der Kopierbarkeit” frei kopiert und frei genutzt werden dürfen. Besonders gut gefällt mir auch die Formulierung: “Die Rückführung von Werken in den öffentlichen Raum ist daher nicht nur berechtigt, sondern im Sinne der Nachhaltigkeit der menschlichen Schöpfungsfähigkeiten von essentieller Wichtigkeit.” Es wird hier nichts anderes gefordert, als dass Werke, die von Personen geschaffen wurden, quasi zum öffentlichen und kostenlos nutzbaren Eigentum werden. Damit wird denen, die diese Werke schaffen, die Grundlage für ihre wirtschatfliche Existenz genommen ! Die Piraten erklären in ihrem Parteiprogramm nicht, wie die Urheber eines Werkes von ihrer Arbeit leben sollen oder wie sie sich deren Bezahlung vorstellen, bei diesem “fairen Ausgleich zwischen den berechtigten wirtschaftlichen Interessen der Urheber und dem öffentlichen Interesse an Zugang zu Wissen und Kultur”.
Sven Regener regt sich zu recht auf!
Sven Regener ist ein deutscher Musiker, Schriftsteller und Drehbuchautor. Am ehesten kennt man ihn durch die Band Element of Crime. Als Autor ist vor allem sein Roman Herr Lehmann
und das Drehbuch zum gleichnamigen Film bekannt. Er sagt in einem Radiointerview mit dem Bayerischen Rundfunk in Sachen Urheberrecht und “alles umsonst”, wirklich ganz klipp und klar die richtigen Worte. Ein Klick auf den nachfolgenden Link startet die MP3-Aufnahme des Interviews.
Sven Regener regt sich auf. Zu recht!
Quelle: http://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/zuendfunk/regener_interview100.html
Er spricht in dem Interview neben vielen anderen wahren Punkten auch an, dass die momentanen Bestrebungen, das Urheberrecht aufzuweichen und für Inhalte im Internet kein Geld bezahlen zu wollen, Kultur massiv kaputt macht und diese nicht fördert, wie die Piraten das ja so schön postulieren.
Aber warum geht Kultur kaputt? Regener erklärt es an Hand der verschwindenden Musik von independent Labels und alternativer Musik. Es überlebt nur Kommerz, Platz für Szenemusik und andere unabhängige Musik bleibt keiner. Das wird sich durch alle Bereiche ziehen, nicht nur Musik. Wenn Musiker, Dichter, Autoren, Journalisten, Filmemacher & Co von ihrer Arbeit NICHT MEHR leben können, dann werden sie ihre Arbeit EINSTELLEN und aufhören, die Werke zu schaffen, die andere kostenlos und frei kopieren und nutzbar haben wollen.
Regener sagt zu Recht: “Ein Geschäftsmodell, das darauf beruht, dass diejenigen, die den Inhalt liefern, nichts bekommen, das ist kein Geschäftsmodell, das ist Scheiße!”
Die Konsequenz: Vielfältige und diversifizierte Kultur stirbt aus und wir bekommen nur noch Kommerz und damit auch Kommerzscheiße. Massenware, die Geld bringt, aber keine kulturelle Weiterentwicklung bietet. Oder will mir irgend jemand erzählen, das der Bohlen’sche-TV-Kommerz DSDS irgend etwas mit Kultur zu tun hat?!
Heute hätten die Rolling Stones keine Chance!
Wenn vor mehreren Dekaden die Unterhaltungsbranche schon so funktioniert hätte, wie sie heute leider funktioniert, dann gäbe es keine Rollig Stones, keine Beatles und all die anderen heute weltberühmten Bands, die damals sozusagen im kulturellen Untergrund und stellenweise als gesellschaftliche Anarchisten angefangen haben. Wenn schon damals ausschließlich der Kommerz das Maß aller Dinge gewesen wären, wüßte heute niemand, wer die Sex Pistols waren oder sogar noch sind.
Dann macht doch Werbung!
Ich bin es auch mittlerweile echt leid, mit “Jung-Piraten” – auch denen die diese Partei wählen, weil es gerade “hip” ist – über Urheberrecht und bezahlte Inhalte zu diskutieren. Die Argumente, die da kommen , sind meist nur Parolen ohne sachlich durchdachte Argumente. Diese Leute fordert selbstverständlich Qualitätsinhalte. Ich als Journalist und meine Berufskollegen sollen bitte nach den besten Regeln unseres Berufsstandes qualitativ hochwertige, bestens recherchierte und topaktuelle Inhalte liefern. Aber die sollen bitte ebenso selbstverständlich kostenlos und frei verfügbar im Internet zu finden sein. Ach ja verwenden möchten diese Leute unsere Inhalte dann auch nach Belieben. Guttenberg läßt grüßen.
Dafür bezahlen? Selbstverständlich nicht! Da kommen dann schnell wieder diese Parolen wie “Informationen sind für alle da!” Dass ich von dieser Arbeit meinen Lebensunterhalt bestreite, das stört diese Leute gar nicht. Da bekommst Du dann so Sprüche wie “Macht doch Werbung und nehmt damit Geld ein” gedrückt. Und genau die, die Dir diesen bekloppten Spruch um die Ohren schlagen, sind die ersten die beim TV gucken oder surfen im Netz “scheiß Werbung” schreien und ihre Browser mit Popup- und Werbeblockern gegen Online-Werbung abpanzern.
Mir geht es da mittlerweile wie Regner: “Mir steht das alles bis hier, ich kann das alles nicht mehr hören!”
Mein Fazit: Ich liebe meinen Beruf. Ich mache ihn sehr gerne. Und ich kenne viele Menschen in meinem Metier, die genau so empfinden. Aber ich will dafür auch anständig bezahlt werden! So wie jeder andere Berufstätige auch einen Anspruch auf faire Bezahlung hat. Und genau deshalb ist und bleibt das Urheberrecht für mich ein wichtiges und elementares Schutzrecht, auf das nicht verzichtet werden darf.
Aus genau diesem Grund finde ich auch den Teilsatz “um aus einem freien Gut ein wirtschaftliches zu machen” aus dem Parteiprogramm der Piraten eine ziemliche Unverschämtheit. Denn darin liegt des Pudels Kern der Piraten: Sie betrachten Inhalte grundsätzlich als “freies Gut”.






Okay, langer Artikel, schwierig zu kommentieren, aber ich probiere es:
“Weg mit dem Urheberrecht und bitte alles umsonst”
Ja und wir sehen das als den absolut richtigen Weg an. Die Bürger kopieren seit Jahren Werke. Seien es Texte oder Musik. Der Staat soll die Bürger nicht kriminalisieren und er soll nicht veraltete Geschäftsmodelle für Unternehmen schützen.
“Sven Regener regt sich zu recht auf!”
Nein, er hat nämlich nicht verstanden, dass der Staat nicht dafür da ist, seine Bürger zu kriminalisieren. Wenn Sven Regner seine Produkte und Werke nicht ordentlich vermarkten kann oder geeignete Geschäftsmodelle entwickeln kann, dann ist das nicht das Problem einer Gesellschaft.
“Heute hätten die Rolling Stones keine Chance!”
Auch damals wurden schon Tapes kopiert und getauscht und weitergegeben was das Zeug hielt.
“Dann macht doch Werbung!”
Die Piratenpartei fordert NICHT das irgendetwas kostenlos zur Verfügung gestellt werden soll, dass ist aber eine Möglichkeit einer Geschäftsidee.
“Ja und wir sehen das als den absolut richtigen Weg an.” – Das sagt schon alles. Der Urheber eines Werkes soll quasi enteignet werden, indem ihm das Urheberrecht durch dessen Abschaffung anerkannt wird. Ohne den Urheberrechtsschutz kann ein Werk nicht mehr vermarktet werden, weil es – das ist die Absicht der Piraten – gemeinfrei wird.
“Wenn Sven Regner seine Produkte und Werke nicht ordentlich vermarkten kann oder geeignete Geschäftsmodelle entwickeln kann…” Die Piraten machen keinen greifbaren Vorschlag, wie diese Vermarktung und diese Geschäftsmodelle aussehen sollen, wenn es erlaubt wird, dass alles frei kopiert und verteilt werden darf. Sagt doch mal ganz konkret, wie genau ein Musiker, Autor, Filmemacher für seine Arbeit bezahlt wird, wenn das Zeug frei und nach belieben durch Netz geschoben werden darf. Rechnet das mal vor und nennt praktikable Vertriebsmodelle!!
“Auch damals wurden schon Tapes kopiert und getauscht und weitergegeben was das Zeug hielt.” Und trotzdem wären die Stones nicht das geworden, was sie sind, wenn sie keinen Plattenvertrag bekommen und ihre Musik verkauft hätten.
“Die Piratenpartei fordert NICHT das irgendetwas kostenlos zur Verfügung gestellt werden soll, dass ist aber eine Möglichkeit einer Geschäftsidee.” Jetzt bin ich gespannt, wie eine Geschäftsidee, die kostenloses zur Verfügung stellen zum Kern hat, jemanden ernähren soll.
Nein, wir enteignen KEINE Künstler. Das wäre wahrlich nicht liberal. Wir sehen nur die Realität und Millionen von Menschen kriminalisiert werden in Deutschland und das wollen wir ändern.
Richtig, wir machen keine Vorschläge für Geschäftsmodelle:
1. Wir sind eine Partei und keine Künstler oder Verlage.
2. Wir produzieren keine Geschäftsmodelle, die in einem Jahr überholt sein könnten.
3. Der Staat ist NICHT für die Entwicklung von Geschäftsmodellen zuständig.
JETZT haben Verlage doch anscheinend Gschäftsmodelle die funktionieren.
Du willst Beispiele? Wieso werden in den USA Serien gezeigt, bevor Sie in DE im O-Ton verfügbar sind? Sinnfrei.
Praktikable Vertriebsmodelle: Ok, ein Beispiel:
Universal, Sony etc vertreiben ihre Titel über alle Kanäle zum gleichen Preis, ohne DRM Mist in allen verfügbaren Formaten. Ähnlich wie AmazonMP3, nur in wesentlich einfacher.
Menschen werden auch Morgen noch CDs kaufen, WENN das Paket stimmt. Wenn das Booklet gut gemacht ist, wenn die CD gut gemacht ist, wenn es Specials gibt.
Und heute gibt es auch noch Plattendeals zu hauf! Nur das dort die KÜNSTLER am kurzen Strick gehalten werden.
Wie das jemanden ernähren soll? Sorry, dass ich nicht die Aufgabe des Staates. Wenn jemand als Künstler nicht davon leben kann, ist das schade, aber dann ist das so.
Wenn Menschen nicht bereit sind, für etwas Geld auszugeben, dann ist die Arbeit anscheinend nicht gut genug. Das ist !!!NICHT!!! das Problem des Staates.
Und ihr glaubt also wirklich daran, dass noch jemand Musik kauft wenn die Forderung der Piraten nach “Keine Beschränkung der Kopierbarkeit” sowie “Freies Kopieren und freie Nutzung” umgesetzt werden? Wenn alles frei kopiert und genutzt (verteilt) werden darf, dann brechen alle die von Dir genannten Geschäftsmodelle zusammen, weil der, der alles legal umsonst haben kann, nichts mehr kauft. Und die von dir genannten Alibi-Argumente “Menschen werden auch Morgen noch CDs kaufen, WENN das Paket stimmt. Wenn das Booklet gut gemacht ist, wenn die CD gut gemacht ist, wenn es Specials gibt.” sind hinfällig. Das gleiche gilt für die von Dir genannten Beispiele mit Sony und Universal.